Das Jahr 2021: Neue Höhen und Tiefen

Wir haben ein turbulentes Jahr 2021 hinter uns. Auch in diesem Jahr waren Gesellschaft, Wirtschaft und das Privatleben von der Corona-Krise geprägt. Den Großteil des Jahres stiegen die Börsen, doch es ist keineswegs ein ruhiger Segelflug gewesen. Auch 2022 scheint wieder viel Spannungspotenzial zu bieten. Doch schauen wir erst kurz auf die wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres:

Da wären der zunehmende Regulierungsdrang der Kommunistischen Partei unter Staats- und Parteichef Xi Jinping sowie die Verschuldungsproblematik um den Immobilienkonzern Evergrande. Regulatorische Eingriffe der chinesischen Aufsicht haben chinesische Tech-Werte stark korrigieren lassen. Auch und vor allem die großen Plattformen waren davon nicht ausgenommen. Es wurden neue Regeln aufgestellt, Börsengänge abgesagt oder rückabgewickelt, Verbote ausgesprochen und Bußgelder in Milliardenhöhe verhängt (bzw. „Spenden“ erzwungen). Wir sehen hier weiterhin ein nicht einschätzbares Risiko und haben in unseren Fonds die Investments (JD.com) im Reich der Mitte rechtzeitig auf null reduziert. Zudem sorgten zwei wesentliche Entwicklungen in China für Aufsehen an den internationalen Kapitalmärkten: Der für die wirtschaftliche Entwicklung in China sehr gewichtige, Immobiliensektor (trägt rund 20–25% zum BIP Chinas bei) ist massiv unter Druck geraten. Anfang 2022 wurde bekannt, dass Evergrande gleich 39 Immobilien in nur wenigen Tagen zurückbauen soll, da diese (wohl) illegal errichtet worden seien. Gleichzeitig steht das Unternehmen vor einem horrenden Schuldenberg und kann die Zinszahlungen nicht, nur verspätet oder reduziert leisten. Die Preise für Wohnimmobilien in China sinken erstmalig seit sechs Jahren. Das Land steht so im neuen Jahr vor großen Herausforderungen: bröckelnder Immobiliensektor, weitere Regulierungen, der auch unter Präsident Biden weiterhin schwelende Handelskonflikt mit den USA und auch massiv einschränkende Corona-Maßnahmen (Stichwort: Null-Covid). Bezüglich der Corona-Maßnahmen kommen neue Sorgen mit der deutlich ansteckenderen Omikron-Variante auf. Hält die chinesische Regierung an den strengen Quarantäne-Regelungen fest (im August und auch zuletzt vor wenigen Tagen) reichten ein einziger infizierter Hafenarbeiter bzw. ein Ehepaar aus, um ein ganzes Terminal des zweitgrößten Hafens der Welt zu schließen, drohen weitere Verzögerungen in den eh schon angespannten Lieferketten. Dies kann zudem ein weiterer Treiber der Inflation sein.

Auf der anderen Seite erlebten wir auch neue Höhen im vergangenen Jahr, das insbesondere im Bereich der amerikanischen Technologiewerte. Zwar haben viele „Highflyer“ der Corona-Krise inzwischen deutlich korrigiert. Übrig geblieben sind die hohen Bewertungen und Kurse bei den Bluechips der Tech-Branche. Allen voran Apple, das zum Jahresstart 2022 sogar zwischenzeitlich den Sprung auf eine Bewertung von mehr als 3 Billionen USD erreichte – als erstes Unternehmen weltweit. Zur Veranschaulichung: Das entspricht fast dem gesamten BIP Deutschlands.

Doch neben den jeweiligen Entwicklungen in China und den USA sind weitere gesamtwirtschaftliche Entwicklungen für das Jahr 2022 von Bedeutung. Die Lieferketten sind weltweit weiterhin stark belastet und beispielsweise der Mangel an Halbleitern setzt viele Unternehmen wahrscheinlich auch über die kommenden Monate unter Druck. Auf der anderen Seite stehen die Zentralbanken, die – wenn auch reduziert – weiterhin enorm viel Geld in den Markt pumpen.

Zwar sind leichte Zinsschritte in den USA und Großbritannien in Sicht. Die EZB unter der französischen Juristin Christine Lagarde hält jedoch unbeeindruckt von der steigenden Inflation an den aktuellen Zinsraten und Anleihekäufen fest, während die Sparguthaben scharf rasiert werden mit Teuerungsraten von offiziell über 5% (in den USA im Dezember sogar 7%). Wir sehen als einen gewisser „Zinsdruck“ außerhalb des Euroraums. Die USA, Großbritannien, Norwegen und viele Schwellenländer heben die Zinsen an. In einem solchen Szenario ist es in der Regel besser, Unternehmen mit hohen Schulden zu meiden. Better safe than sorry. Wir achten darauf, dass unsere Unternehmen so wenig verwundbar wie möglich sind. So kommen wir durch alle Szenarien hindurch.

Im Ergebnis erwarten wir trotz der Problemfelder für 2022 eine positive Entwicklung der Börsen. Stock-Picking wird eher weiter an Bedeutung zunehmen, weil ganze Sektoren – losgelöst von der Performance der großen Indizes – scharf korrigieren können.


Alan Galecki und Pascal Andres

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