„Exportweltmeister“ Deutschland – Bald aus und vorbei?

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Deutschland als „Exportweltmeister“ – dieses Bild hat sich in vielen Köpfen festgesetzt. Tatsächlich hat uns China seit 2008 diesbezüglich abgelöst, doch zuvor hatte Deutschland diesen Titel sechsmal inne. Und nach wie vor ist Deutschland für seine exportlastige Handelsbilanz bekannt. In den letzten beiden Jahren ging der Außenhandelssaldo zwar merklich zurück, doch 2021 lag der Exportüberschuss immer noch bei 172,5 Mrd. EUR.

Nun aber droht etwas, das ich noch vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten hätte: Wahrscheinlich wird Deutschlands Handelsbilanz im August ins Negative drehen. Das heißt, wir importieren dann mehr Waren und Dienstleistungen als wir exportieren. Für ein Land ohne Rohstoffe, das vom Handel abhängt, ist das sehr gefährlich.

Krise ist selbstverschuldet

Die sich abzeichnende Krise ist selbstverschuldet. Die 2011 mit großer Fanfare eingeleitete „Energiewende“ wird immer mehr zu einem Desaster. Deutschland hat hinter Bermuda die höchsten Energiepreise der Welt. Sie sind zweieinhalb Mal so hoch wie die der USA, 80 % höher als in Frankreich und fünfmal so hoch wie in Russland. Durch die Öl- und Gasembargos steigen die Preise weiter. Und trotzdem ist noch nicht einmal die Versorgung gesichert.

Am 2. Juli riet das Habeck-Ministerium zur Anschaffung von Notstromaggregaten. Die gibt es natürlich kaum noch. Ich hatte letztes Jahr vorgesorgt. Jetzt müssen die Dinger nur noch angeschlossen werden. Schon im Oktober 2021 schrieb ich in meinen Börsenbrief Der Privatinvestor über den Blackout. In Österreich lief Ende April die sechsteilige Fernsehserie „Alles finster“. Darin geht es um einen mehrwöchigen Blackout in ganz Europa. Im Zentrum der Handlung steht ein kleines Dorf bzw. dessen Bewohner, die mit dieser Situation zurechtkommen müssen. Dabei entwickeln die Protagonisten teilweise sehr skurrile, aber immerhin kreative Lösungen. Was aber, wenn aus dem, was die Serie auf sehr humorvolle Art dargestellt, doch eines Tages bitterer Ernst würde?

Ich will an dieser Stelle kein Schwarzmaler sein. Dazu muss es nicht kommen. Doch zumindest scheinen vorrübergehende Engpässe nicht mehr gänzlich unvorstellbar. In einem solchen Szenario wären auch neue Zwangsmaßnahmen denkbar, um „uns alle“ dazu zu bringen, Energie einzusparen, wo es nur geht.

Steigende Energiepreise als Ursache

Die weiter steigenden Energiepreise sind eine Ursache der sich abzeichnenden negativen Handelsbilanz. Weil wir weniger Öl und Gas aus Russland beziehen, müssen wir dies woanders teurer einkaufen. Außerdem begeben wir uns in die Abhängigkeit von Scheichs und Monarchen im Nahen Osten, die, vorsichtig gesagt, mit der Demokratie ebenso wenig am Hut haben wie Wladimir Putin.

Und während die deutsche Handelsbilanz ins Minus dreht, ist der Rubel stärker als vor Ausbruch des Krieges. Gleichzeitig streichen wir europäische Rüstungsprojekte und kaufen fleißig in den USA Waffen ein, was die Handelsbilanz weiter belastet. Es scheint, dass es in diesem Krieg vor allem zwei Verlierer gibt: natürlich vor allen anderen die Ukraine, aber auch Deutschland.

Der Russische Rubel hat seit März gegenüber dem Euro und dem USD massiv aufgewertet:

Wechselkurs Rubel / Euro (Quelle: finanzen.net)
Wechselkurs Rubel / US-Dollar (Quelle: finanzen.net)

Auf Sachvermögen kommt es an

Die Krise wird sich weiter zuspitzen. Bleiben Sie daher in Sachvermögen. Halten Sie Reserven in Edelmetallen. Gleichzeitig drehen etliche Aktien in den Bereich „billig“. Die Märkte insgesamt sind es allerdings nach allen Metriken noch nicht und nicht jedes Unternehmen, das derzeit günstig aussieht, ist dies auch wirklich. Wählen Sie Ihre Investments daher mit Bedacht. Sie müssen in der jetzigen Zeit selektiv vorgehen. Achten Sie bei Ihrer Aktienauswahl unbedingt auf das Geschäftsmodell des dahinterstehenden Unternehmens und dessen Zukunftsaussichten – insbesondere auch vor dem Hintergrund der voranschreitenden digitalen Welt.

Sind die Perspektiven intakt – ist das Geschäftsmodell so stark aufgestellt, dass es von dieser Entwicklung nicht negativ beeinträchtigt wird oder davon sogar profitieren kann, macht ein Engagement Sinn. Neben Big Tech, die in den letzten Monaten (auch wegen der US-Zinswende) stark gelitten haben, finden sich auch bei echten Börsen-Klassikern Chancen.

Auf gute Investments!

Ihr Prof. Dr. Max Otte

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