Elon Musk und Tesla – Hi-Tech Messias oder Gewinnoptimierer in eigener Sache?

Elon Musk, einer der reichsten Menschen der Welt, spaltet die Finanzwelt. Von vielen Menschen, allen voran „jüngere“ Investoren wird er als der Messias der Tech-Branche gefeiert. Seit er 2004 als CEO zu Tesla kam, gilt Elon Musk als Pionier der E-Mobilität für die Masse und hat mit seinem enormen Reichtum auch die private, kommerzielle Raumfahrt für sich als Geschäftsfeld entdeckt.

Auch in der Szene der Krypto-Währungen (besonders rund um den Bitcoin) wird er von seinen „Jüngern“ als Weltveränderer gefeiert.

Doch Vorsicht! Eine nüchterne Betrachtung der Dinge kann schnell andere Schlüsse zulassen.

Als Tesla 2008 seine ersten Elektroautos baute war der Einsatz von einfachen Lithium-Rundzellen (wie wir sie aus Laptops kennen), statt der aufwendig produzierten Großbatterien, eine Sensation und sollte die Grundlage für einen kometenhaften Aufstieg sein.

Sein erstes Serienmodell, das Model S, wurde dann im Jahr 2012 vorgestellt. Der elektrische Oberklasse-Stromer sorgte international für eine Fangemeinde, für die der Erfolg ein Beleg dafür war und ist, dass Tesla nicht mehr aufzuhalten sei. Im Laufe der nächsten Jahre folgten drei weitere Modelle. Die Modele X und Y – beides SUV – und der „Volkstesla“ Model 3, welcher zu erschwinglichen Preisen eine breite Masse bedienen soll. Lange Warteschlangen bei den Bestellungen waren die Regel und haben den Hype um Tesla weiter angefacht – ähnlich wie bei neuen iPhone Modellen von Apple.

Der Aktienkurs von Tesla ging durch die Decke und ab hier muss man als Investor anfangen  zu hinterfragen, ob eine Investition in Tesla Aktien langfristig sein kann.

Lassen wir die nackten Zahlen sprechen.

Tesla hat mit seinen 70.757 Mitarbeitern im Jahr 2021 einen Umsatz von 47,7 Mrd. Euro erzielt und erreichte eine aus dem Börsenkurs der Aktie resultierende unglaubliche Marktkapitalisierung von 830,62 Mrd. Euro. Als Vergleich dazu hat Volkswagen im gleichen Zeitraum mit 662.600 Mitarbeitern einen Umsatz von 222,9 Mrd. Euro erzielt und kam auf eine Marktkapitalisierung von „nur“ 141,91 Mrd. Euro und damit gerade mal auf ein Siebtel von Tesla. Bei anderen Automobilherstellern sieht dieses ähnlich aus.

Wie kann das sein? Hype, Wahn? Oder doch eine durchstrukturierte Analyse? Mit Nichten. Die Realität um Tesla ist eher düster. Immer wieder tauchen technische Probleme mit den Akkus oder den autonomen Fahrassistenzen auf, die zu diversen Rückrufaktionen und Klagen gegen Tesla geführt haben. Das Image von Tesla bröckelt. Die Verarbeitungsqualität ist im Vergleich zu Deutschen Premiumherstellern eher bescheiden und der jüngste TÜV-Report hat weitere Probleme zu Tage geführt.

Wie schneidet Tesla bei einer TÜV Hauptuntersuchung ab?

Das schlechteste E-Auto ist ausgerechnet das teuerste Fahrzeug: Das Tesla Model S schneidet bei der Hauptuntersuchung besonders schlecht ab. Mit einer Mängelquote von 10,7 Prozent fällt jeder zehnte Tesla Model S durch die erste Hauptuntersuchung und würde ebenfalls im letzten Drittel der 128 Verbrenner landen, wie der TÜV betont. Hinter dem Tesla würden nur noch der Dacia Duster und der Dacia Logan rangieren, also Autos, die nur einen Bruchteil des Tesla Model S kosten. Neben Mängeln am Nebellicht und am Abblendlicht machen dem Model S bei der HU vor allem Probleme mit den Querlenkern zu schaffen. Und das ist nach nur 3 Jahren.

Hinzu kommt, dass die anderen Automobilhersteller die E-Mobilität nicht verschlafen haben und nicht wie oft gesagt wurde, den Anschluss verpasst haben. Das Gegenteil ist der Fall. Alle deutschen Hersteller sind mittlerweile besser aufgestellt – ob im Normalpreissegment (z.B. VW iD3 und iD4) oder in der Oberklasse (z.B. Mercedes EQS). Am Markt kommt diese Erkenntnis auch langsam an, wie der Chart der Tesla Aktie zeigt.

Auch wenn Tesla durch den umstrittenen Neubau der Gigafactory in Grünheide seine Produktionskapazitäten in Europa massiv ausbaut, werden lange nicht die Produktions- und Verkaufszahlen von VW oder Toyota erreicht, die die Marktkapitalisierung von Tesla rechtfertigen würde. Spielereien von Elon Musk mit Kryptowährungen wie dem Bitcoin, dienen in erster Linie dazu sich selbst immer reicher zu machen. Erst werden für 1,5 Mrd. Dollar Bitcoin gekauft und dann das Statement gegeben, dass Tesla jetzt den Bitcoin akzeptiert, was den Kurs deutlich steigen ließ. Elon Musk verkaufte seine Bitcoins und ruderte öffentlich was die Akzeptanz des Bitcoins angeht zurück und der Kurs fiel stark. Der Gewinner war nur Elon Musk.

So ähnlich verhält es sich mit seiner sehr öffentlichkeitswirksam auf Twitter gestellten Frage an seine Follower, ob er denn mal Steuern bezahlen solle. Seine Fans waren begeistert und waren dafür. Dass unter dem Strich es auch hier nur einen Gewinner gab, wurde nicht so sehr an die große Glocke gehangen. Elon Musk musste aus alten Vergütungen eine auslaufende Aktienoption ziehen, die sonst verfallen wäre, was ihn persönlich wieder etwas reicher gemacht hat. Und für das Ziehen der Option fallen entsprechend Steuern an, dafür brauchte Musk dann auch das Geld. Das Szenario, welches sich stellt, ist, ob Elon Musk und Tesla sich von den etablierten Autobauern nach und nach die Butter vom Brot nehmen lassen wird und als Nischenhersteller in der Versenkung verschwindet, oder ob die Wucht des Kapitals dafür eingesetzt wird, einen, oder alle Premiumhersteller zu kaufen, was nach dem Börsenwert von Tesla mit Sicherheit eine denkbare Option wäre.

Für uns als Value Investoren ist es undenkbar, uns hierbei an der Spekulation zu beteiligen. Wir möchten nicht zu einem Spielball eines Hyperreichen und wenig verlässlichen Menschen werden. Wir schätzen zwar Innovationsgeist, aber benötigen auch Kontinuität im Management und entsprechende Zuverlässigkeit. Zu guter Letzt ist uns eine fundamental untermauerte Bewertung wichtig, die bei Tesla aktuell nicht den Kurs rechtfertigt.


Von Dirk Dürhager

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